Realitätsgestaltung

Unter Realitätsgestaltung wird allgemein die bewusste oder unbewusste Gestaltung bzw. Beeinflussung der von einem Individuum erlebten Realität durch dessen Geist und Bewusstsein verstanden. Bei der Realitätsgestaltung sind mehrere Ebenen zu unterscheiden:

Subjektive Realitätsgestaltung

Die subjektive Realitätsgestaltung bezieht sich auf die persönliche Selektion und Interpretation der wahrgenommenen Realität und nicht auf objektive Fakten. Die mentale und emotionale Struktur eines Menschen hat einen sehr großen (und häufig unterschätzten) Einfluss darauf, wie er seine Wirklichkeit wahrnimmt und empfindet. Bei der subjektiven Realitätsgestaltung sind vor allem zwei Mechanismen von Bedeutung: selektive Wahrnehmung und spontane Assoziation. Die selektive Wahrnehmung sorgt dafür, dass man aus der gewaltigen Informationsflut, die über die Sinne empfangen wird, unbewusst diejenigen Aspekte auswählt und bewusst wahrnimmt, die von Gehirn als „wichtig” eingestuft werden. Im zweiten Schritt lösen die ausgewählten Eindrücke dann spontane Assoziationen in Form von Emotionen und Gedanken aus. Welche Informationen überhaupt wahrgenommen werden und welche Assoziationen sie auslösen, hängt hochgradig vom Erfahrungshintergrund des Individuums ab (frühkindliche Erfahrungen und Konditionierungen, antrainierte Überzeugungen und Denkgewohnheiten).

Die subjektive Realitätsgestaltung hat in der heutigen, nicht mehr von ständiger Lebensgefahr geprägten Zeit einen wesentlich stärkeren Einfluss auf die emotionale Lebensqualität (Glück) als die äußeren Umstände. Die meisten Psychotherapien und Mentaltrainings zielen daher auf eine gezielte Veränderung der subjektiven Realitätsgestaltung ab.

Indirekte objektive Realitätsgestaltung

Die indirekte objektive Realitätsgestaltung bezieht sich auf die Auswirkungen der subjektiven Realitätsgestaltung auf die objektive Wirklichkeit (Außenwelt), soweit sie im Sinne der herkömmlichen Kausalitätsvorstellung nachvollziehbar sind. So wirkt sich die Einstellung eines Menschen zum Leben und zu sich selbst massiv auf seine äußere Erscheinung, Gesundheit, Ausstrahlung, Intelligenz, Geschicklichkeit usw. aus, was entsprechende Konsequenzen in der Außenwelt nach sich zieht.

Dies trägt mit dazu bei, dass die von einem Individuum wahrgenommene Außenwelt dessen innere Überzeugungen widerspiegelt: Wer sich z. B. unattraktiv und ungeliebt fühlt, wird auch eine entsprechende Ausstrahlung entwickeln, die wiederum dazu führt, dass er tatsächlich von anderen als unattraktiv wahrgenommen und entsprechend behandelt wird. Diese Art der Realitätsgestaltung unterliegt also in hohem Maße dem Prinzip der „selbsterfüllenden Prophezeiung”.

Direkte objektive Realitätsgestaltung

Bei der direkten objektiven Realitätsgestaltung handelt es sich um einen - von der Wissenschaft bisher nicht zweifelsfrei anerkannten - unmittelbaren Einfluss des menschlichen Bewusstseins auf die objektive physikalische Realität, der nicht der Kausalität im herkömmlichen Sinne unterliegt.

Diese Art von Realitätsgestaltung kann weitgehend gleichgesetzt werden mit dem parapsychologischen Begriff der Psychokinese (auch Telekinese). Während unter Psychokinese allerdings zumeist ein unmittelbar erkennbarer Einfluss des Geistes auf die Realität verstanden wird (etwa das Bewegen von Gegenständen durch reine Geisteskraft), bezieht sich der Begriff „Realitätsgestaltung” in diesem Kontext zumeist auf Alltagsereignisse, die in einem statistisch extrem unwahrscheinlichen Maße mit der Absicht oder Einstellung des betroffenen Individuums korreliert sind, sodass man einen direkten Einfluss des Bewusstseins annimmt, der die Wahrscheinlichkeiten verschiebt und für „unglaubliche Zufälle” sorgt (die nach diesem Verständnis natürlich kein Zufall sind). Diese Ereignisse vernüpfen sich dann mittels herkömmlicher Kausalketten so, dass letztlich die vom Bewusstsein des Betroffenen „angepeilte” Situation entsteht.

Im Volksmund bezeichnet man diese Art der Realitätsgestaltung auch als „Bestellungen beim Universum” - dieser Begriff wurde von Bärbel Mohr geprägt, deren Bücher die Thematik im deutschsprachigen Raum bekannt gemacht haben. Auch im Thomas Klüh Institut wird die Realitätsgestaltung behandelt. Andere Bezeichnungen aus der Literatur sind „Gesetz der Anziehung” („Law of Attraction”) und „TransSurfing” (Bücher von Vadim Zeland).

Ein wissenschaftlich einwandfreier Nachweis der direkten objektiven Realitätsgestaltung ist naturgemäß schwierig, da hier viele komplexe Faktoren im Spiel sind, die sich kaum umfassend beobachten bzw. objektivieren lassen, insbesondere der Bewusstseinszustand einer Versuchsperson und nicht ausschließbare Fremdeinflüsse. Insbesondere bei der alltäglichen Realitätsgestaltung kommt fast immer eine Kombination aller drei Ebenen der Realitätsgestaltung zum Tragen, die dabei kaum sauber zu trennen sind.

Dennoch liegen neben zahllosen Alltagserfahrungen auch experimentelle Ergebnisse vor, die eine Existenz der direkten objektiven Realitätsgestaltung nahelegen. Hierzu zählen Versuche zur Beeinflussung von Zufallssignalen, bei denen statistisch signifikante Abeichungen vom Erwartungswert gemessen wurden, die mit der Absicht der Versuchspersonen (z. B. Durchschnittwert der Zufallszahlen erhöhen oder absenken) korreliert sind, sowie Experimente zum Einfluss bewusster Absicht auf den Zustand biologischer Systeme. Viele Studien dieser Art werden in dem Buch Intention von Lynne McTaggart beschrieben.

Häufig wird die direkte objektive Realitätsgestaltung mit der Quantenphysik begründet. Tatsächlich wird in einigen (jedoch nicht allen) Interpretationen der Quantentheorie eine entscheidende Rolle des beobachtenden Bewusstseins beim Übergang von der Wahrscheinlichkeitsverteilung (Schrödinger-Wellenfunktion) zum konkreten teilchenhaften Ereignis angenommen. Mittels der Quantentheorie selbst kann diesen Übergang bisher nicht zweifelsfrei begründet werden.

In seinem Buch Die Entstehung der Realität schlägt Jörg Starkmuth ein Weltbild vor, das auf einer Synthese verschiedener Interpretationen der Quantentheorie sowie auf praktischen Erfahrungen von Menschen im Bereich der Realitätsgestaltung basiert. Nach diesem Modell bewegt sich ein individuelles Bewusstsein - als Teilaspekt einer umfassenden kollektiven Bewusstseinsstruktur - durch einen multidimensionalen Raum möglicher Realitäten (Möglichkeitsraum oder Multiversum) und erzeugt so seine persönliche Lebensgeschichte als Verkettung der von ihm zur Beobachtung ausgewählten (und damit erst „erschaffenen”) Realitäten. Bewusstsein hat nach dieser Interpretation nicht nur einen Einfluss auf die persönliche Realitätsgestaltung, sondern ist - auf einer das Individuum übersteigenden Ebene - sogar der eigentliche Ursprung jeglicher Wirklichkeit.

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