Emotionale Souveränität

Unter emotionaler Souveränität versteht man einen Zustand der emotionalen Selbstbestimmtheit im Gegensatz zur emotionalen Abhängigkeit. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass bei sozialen Wesen wie dem Menschen eine absolute Unabhängigkeit nicht erstrebenswert ist, da diese zu einer Vereinsamung führen würde.

Bei der emotionalen Souveränität geht es um den bewussten und gekonnten Umgang mit der eigenen Gefühlswelt, sodass man damit jede Situation bestmöglich bewältigen kann (s. Emotionale Intelligenz).

In den meisten Fällen, in denen man seine Gefühle als von den äußeren Umständen oder anderen Personen abhängig empfindet und in denen man unangenehme Gefühle wie zum Beispiel Verletztheit, Wut, Hass, Aggression, Verzweiflung, Schuldgefühle o. Ä. erlebt, basieren diese Gefühle auf einer Bewertung, die der eines Steinzeitmenschen ähnelt, da sich unser Emotionssystem in der Frühzeit der menschlichen Evolution entwickelte.

Ein Überbleibsel aus dieser Zeit, das sich beispielsweise noch heute in unserem Gehirn befindet, ist die Tatsache, dass eine Ablehnung durch einen anderen Menschen unser Schmerzzentrum aktiviert. Diese Funktion sollte zu jener Zeit dafür sorgen, dass wir unsere soziale Integrität bewahrten, da eine Ausgrenzung bzw. ein Verstoßenwerden aus der schützenden Gruppe eine lebensbedrohliche Situation nach sich zog. In der heutigen, modernen Welt ist diese Funktion jedoch eher hinderlich und sorgt häufig für unnötigen Stress, denn diese Ablehnungsgefühle basieren auf der unbewussten - und falschen - Annahme, wir seien in Lebensgefahr.

Um eine emotionale Souveränität zu erlangen, gilt es den eigenen Instinkten bewusst aufzeigen, wie die Welt von heute wirklich ist, um dadurch Stresssituationen umzubewerten.

Die emotionale Souveränität bedeutet also nicht eine vollkommene Unabhängigkeit von anderen, sondern den souveränen Umgang mit den eigenen Gefühlen, um dadurch selbstbestimmt zu sein.

Ein interessanter Nebeneffekt ist, dass Menschen mit einem hohen Maße an emotionaler Souveränität ein deutlich geringeres Schmerzempfinden haben als fremdbestimmte Menschen. Die Vermutung liegt nahe, dass aufgrund der Neuroplastizität (s. Emotionstraining) fremdbestimmte Menschen ein stärker ausgeprägtes Schmerzzentrum haben, da diese ja bei jeder Ablehnung, die sie erfahren, dieses Gehirnareal trainieren und dadurch sehr effizient darin werden, Schmerzen zu empfinden. Des Weiteren sind Menschen mit einer hohen emotionalen Souveränität darin geübt, ihre Gefühle, zu denen natürlich auch Schmerzen gehören, bewusst und auch unbewusst zu steuern.


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