Ideen umsetzen

Ideen umsetzen

Dienstag, den 7. Oktober 2008 von Frank Fäder

Einen nicht unwesentlichen Anteil meiner Lebenszeit, insbesondere seit meiner Selbständigkeit, verbringe ich mit der Entwicklung von neuen Ideen. Das fällt mir leicht, macht mir sehr viel Spaß und ich meine sogar, dafür ein besonderes Talent zu besitzen. Ich liebe es z.B., neue Geschäftsideen zu entwickeln, Seminar- und Coachingkonzepte zu designen, oder lebenserleichternde Strategien zu erdenken. Wenn es in der Vergangenheit allerdings an die Umsetzung ging, entsprach das Ergebnis häufig so gar nicht meinen ursprünglichen doch so überaus kreativen Ideen und Vorstellungen. Das hat mich sehr lange irritiert, demotiviert und immer wieder dazu geführt, dass eigentlich viel versprechende Ideen nicht weitergeführt wurden. 

Ich hatte in meiner Kindheit und Jugend das vermeintliche Glück, dass mir vieles eher leicht fiel und ich mich dafür nicht wirklich anstrengen musste. Die Kehrseite der Medaille war jedoch, dass ich nie wirklich gelernt hatte, mit Rückschlägen umzugehen und tendenziell enttäuschende Erfahrungen als Indiz dafür nahm, dass die ganze Sache nicht funktionieren würde.

Glücklicherweise wurde ich, insbesondere als Selbständiger, durch äußere Umstände von Zeit zu Zeit dazu gezwungen, trotz der negativen Umsetzungserfahrung weiter zu machen. Ich lernte, die von mir als enttäuschend empfundene Erfahrungen zu reflektieren und meine Schlüsse daraus zu ziehen. Auch der nächste Versuch war alles andere als optimal, aber immerhin schon ein wenig erfolgversprechender als der vorherige. Du ahnst, worauf ich hinaus möchte; je öfter ich diesen Prozess durchlief, desto runder wurde die ganze Angelegenheit.

Eine Geschäftsidee oder ein Seminarkonzept ist eine hochkomplexe Angelegenheit mit vielen untereinander wechselwirkenden Faktoren. Heute frage ich mich, wie größenwahnsinnig ich denn sein musste, wenn ich annahm, all das vorauskalkulieren zu können. Nicht das Ergebnis der Umsetzung, sondern mein naiver Anspruch, dass meine Ideen möglichst sofort funktionieren sollten, führten zu meiner Enttäuschung und ein ums andere Mal zur Aufgabe des Projekts.

Wenn ich heute Ideen umsetze, freue ich mich natürlich weiterhin mehr darüber, wenn etwas so läuft, wie gedacht. Wenn jedoch etwas nicht funktioniert, gelingt es mir immer häufiger, dies nicht als Rückschlag, sondern als Feedback darüber zu werten, es beim nächsten Mal anders zu machen. Genau diese Erfahrungen sind es, die Wachstum und Weiterentwicklung ermöglichen. Teilweise hat das Resultat nichts mehr mit meiner ursprünglichen Idee zu tun, und ich muss mir eingestehen, dass leztere weniger genial war, als ich zu Beginn dachte. Andererseits war sie der erste Schritt auf einem Weg zu einem jetzt funktionierenden Ergebnis, das ohne sie nie zustande gekommen wäre.

“Erfahrung ist fast immer die Parodie auf die Idee.” sagte Goethe, und ich finde, dem ist nichts hinzuzufügen.

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2 Reaktionen zu “Ideen umsetzen”

  1. In(Ex)novation - Neues Denken » Blog Archive » Ideen haben – Ideen umsetzten

    [...] als das Geschäftskapital zu erkennen ist das eine. Ideen umsetzen das andere. Darüber berichtet Frank Fäder in „Unser Blog – Aktuelles für Dich“ [...]

  2. Réka Horváth

    [...]Traurig aber wahr: Nicht alle gute Ideen werden umgesetzt. Laut Frank Fäder müssen wir das als Feedback und nicht als Scheitern betrachten.[...]

    Dieser Eintrag wurde als „Artikel des Tages für Multiprojecter” nominiert. Hier kannst du bis 08.10.2008. 23:59 die anderen Kandidaten besichtigen und für deinen Lieblingsartikel stimmen. Wir würden uns freuen, deine Meinung zu hören.

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