Ich würde ja, wenn ich könnte
Dienstag, den 27. Mai 2008 von Frank FäderIn meiner kleinen Serie über die Auflösung von Problemerleben (siehe Ach zwei Seelen wohnen in meiner Brust und Bedürfnisse und Strategien) gehe ich heute auf den Umgang mit den Bedürfnissen ein, die sich in der eher unwillkürlichen Strategie zeigen. Wie schon in der letzten Woche dargelegt, ist jedes Verhalten, und erlebt es eine Seite in mir auch als noch so hinderlich, motiviert durch ein dahinter stehendes Bedürfnis. Es ist eine hilfreiche Vorannahme, dass dieses Bedürfnis ausnahmslos etwas zutiefst Positives für uns möchte, und dass der Konflikt niemals auf Bedürfnisebene entsteht, sondern immer auf der Ebene der Strategie; der Art und Weise des Verhaltens, mein Bedürfnis umzusetzen.
Beispiel: Ich esse zuviel Schokolade, und das steht meinem Bedürfnis nach Gesundheit entgegen. Wie kann ich nun Kontakt zu dem Bedürfnis bekommen, das zu meinem (wahrscheinlich übermäßigen) Schokolade essen führt? Die Natur hat uns einen sehr zuverlässigen Mechanismus dafür eingepflanzt: Unser Gefühl. Welches Gefühl erlebe ich also, wenn es mich nach Schokolade verlangt? Vordergründig könnte man versucht sein, zu denken, dass es so etwas wie Hunger ist. Hunger ist allerdings nichts anderes, als der Ausdruck eines elementaren Bedürfnisses nach Nahrung zum Zwecke der Lebenserhaltung. Dem wäre zweifelsfrei durch einen gesunden Salat o.ä. genüge getan. Was könnte es also sonst sein? Um dem auf die Schliche zu kommen, könnten wir z.B. auch fragen, welches Gefühl sich einstellt, wenn ich dem Verlangen nachgegeben habe? Und damit meine ich nicht das schlechte Gewissen, denn das rührt eher her von der willkürlichen Seite mit dem Bedürfnis nach Gesundheit. Möglicherweise stellt sich eine Art von Genuss ein. Jetzt lässt sich weiter fragen, wofür dieser Genuss ein Ausdruck ist. Vielleicht kommt dann so etwas, wie „mir etwas Gutes tun”. Jetzt sind wir dem Kernbedürfnis schon deutlich näher. Ein weiteres Hinterfragen führt dann zu recht elementaren Dingen. In diesem Falle könnten wir z.B. auf so etwas wie Selbstwertschätzung, inneren Frieden, Sinnhaftigkeit oder innere Ruhe kommen. Wie schon in der letzten Woche geschildert, erkennst Du, dass du an deinem relevanten Bedürfnis angekommen bist, an einer Art inneren Kongruenzgefühls. In der Regel passiert das nach etwa 3-4-maligem Hinterfragen.
Und jetzt wird auch klar, was ich damit meine, dass nur Strategien miteinander in Konflikt stehen können, niemals jedoch Bedürfnisse. Denn wie soll z.B. das pure Bedürfnis nach innerem Frieden in Konflikt mit einem Bedürfnis nach Gesundheit stehen? Es scheint doch vielmehr so, dass unsere inneren Seiten die ganze Zeit um nichts anderes bemüht sind, als unsere körperliche, geistige und seelische Integrität zu wahren. Allein wenn ich mir diese Tatsache bewusst mache, entsteht in mir immer wieder eine tiefe Selbstversöhnung.
Wie wir nun dieses Bemühen in für beide Seiten konstruktiver Weise wieder auf die Strategieebene bekommen, dazu mehr in der nächsten Woche.
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Am 3. Juni 2008 um 06:28 Uhr
[...] ist die Fortsetzung des Beitrages Ich würde ja, wenn ich könnte, der wiederum auf den Beiträgen Ach zwei Seelen wohnen in meiner Brust und Bedürfnisse und [...]
Am 4. Juni 2008 um 11:45 Uhr
Hallo Frank,
erstmal einen lieben Gruss aus Den Haag!!!
Dein obiger Bericht hat mich dazu gebracht, meinen “Schnökertrieb” mal zu analysieren, der mich abends gern befällt und bei dem ich dann auch gern Süßigkeiten esse.
Ich kam von einem Workshop, setzte mich neben meinen Schatz und nach ca. 5 Min. kam das Gefühl der Unruhe auf. Normalerweise hätte ich mir dann etwas Süßes geholt. Dieses Mal habe ich die Unruhe hinterfragt und stellte fest, dass es ein: ” ich müßte eigentlich etwas TUN, ich müßte mich “nützlich” machen” war, was in nachfolgender Kette bedeutete: erst dann bin ich in diesem Moment auch “wertvoll”.
Ich sass da, dachte: schön blöd! DAS brauchst du nun wirklich nicht.
Danach war der “Schnökertrieb” für den Abend weg. Seitdem tritt er zwar noch auf, ist aber schnell beruhigt, wenn ich mich an den Abend erinnere.
ODER aber: ich esse trotzdem noch was Süßes, aber dann nur, weil ich wirklich WILL und Lust drauf hab! Und viel weniger, weil ich bewusst geniesse und das nach kurzer Zeit genug ist.
Dies zur Info aller Leser und zur Ermutigung, selbst einmal hinzuschauen bei bestimmten Verhaltensweisen!
Alles Liebe
Bettina
Am 21. September 2008 um 13:19 Uhr
Hallo Frank,
das lesen Deines Eintrags hat mir eine spannende Strategie, die ich anwende um ein Problem zu bekommen klargemacht. Dafür erst einmal Danke, denn nun kann ich ein Problem anders angehen. Ausschlaggebend für diesen Sinneswandel war deine Bemerkung “das ein Bedürfniss erst einmal was zutiefst positives ist”. Bei mir ist es glaube ich so, dass ich die Unterdrückung eines Bedürfniss als “Strategie” benutze, ein anderes Bedürfniss zu stillen. Wenn ich lerne -und der Prozess hat ja mit dem erkennen bereits begonnen- dies wieder getrennt zu sehen, dann bin ich einen wirklich großen Schritt weiter.
liebe Grüße
Monika