Gibt es Krankheit wirklich?
Freitag, den 24. Oktober 2008 von Frank FäderSeit vielen Jahren befasse ich mich mit der Frage, ob es so etwa wie Krankheit überhaupt gibt. Oder etwas genauer: In wie weit macht es Sinn, das, was wir als Krankheit bezeichnen, einfach “wegmachen” zu wollen? Daran schließt sich unmittelbar die Frage an: Wie kommt es dazu, dass wir etwas als Krankheit bezeichnen? Die Antwort ist ebenso einfach wie bedenklich: Spezifische, als nicht normal eingestufte, körperliche oder psychische Reaktionen bzw. Verhaltensweisen, werden schlicht und einfach als Krankheit definiert. Dies geschieht durch die Weltgesundheitsorganisation WHO in Form der “International Classification of Diseases”, kurz ICD. Das treibt manchmal interessante Stilblüten. Mit Herausgabe der ICD-10 im Jahre 1992 nämlich, erfolgte die umfassenste Spontanheilung die es jemals gab. Und zwar wurde Homosexualität das erste Mal gänzlich aus der Publikation entfernt, sodass fortan, quasi mit einem Federstrich, kein Homosexueller mehr als krank galt. Mit anderen Worten: Was “normal” ist und was nicht, wird festgelegt von, wie im obigen Beispiel deutlich erkennbar, fehlbaren Menschen. Zunächst sogar unabhängig davon, ob es den “Symptomträger” in seinem Erleben negativ beeinflusst oder nicht.
Doch selbst wenn es das tut, halte ich es für bedenklich, dies als “Krankheit” zu bezeichnen. Das Wort “Krankheit” impliziert in uns so etwas wie “Mangel”, ”von außen kommend”, und das Bedürfnis, dagegen ankämpfen zu müssen. Ich weiß nicht wie oft ich meiner Arbeit erlebt habe, dass sogenannte Symptome für ihren Symptomträger und/ oder dessen System einen enorm wichtigen Zweck erfüllten. Dies gilt sowohl für körperliche, viel offensichtlicher jedoch für seelische Symptome. Ich habe hier im Blog ja schon oft darüber geschrieben. Es ist dabei immer wieder sehr beeindruckend, in welch kompetenter und oft spitzfindiger Art und Weise, wir Menschen (meist unbewusst) Lösungsmuster für komplexe Problemstellungen entwickeln. Es kommt z.B. häufig vor, dass Kinder ihre Eltern davon abhalten sich zu streiten, indem sie durch mehr oder weniger schwere Symptomatiken die Aufmerksamkeit der Eltern auf sich ziehen. Sie bezahlen einen hohen Preis, natürlich. Aber sie halten damit die Famile zusammen. Wenn das nicht ehrenvolle Motive sind, was denn bitte dann?
Ähnliche zweckdienliches Hintergründe finden sich auch fast immer für Menschen die als depressiv, Alkoholiker, Borderliner usw. diagnostiziert werden. Diese Menschen als “krank” abzuqualifizieren, und gegen die Symptomatik blindlinks ankämpfen zu wollen, wirkt erfahrungsgemäß eher musterverschärfend und seinem eigentlichen Zweck entgegen. Ganz abgesehen davon, dass es für das eigene Selbstwertgefühl einen epochalen Unterschied macht, ob ich einfach nur schwach und unfähig bin, oder ob ich mit meinem Verhalten auf kompetente Art und Weise einen höheren Nutzen erfülle. In der Arbeit mit meinen Klienten sind diese, wenn sie von ihrer “Genialität erfahren”, dann oft regelrecht stolz auf ihre Leistung. Wie ich meine, völlig zu recht.
Beginnt man das ganze Bild zu verstehen, lässt sich oft die Definition “Krankheit” einfach nicht mehr aufrecht erhalten. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Wenn mein Körper Symptome entwickelt, die Leib und Leben gefährden, ist es zwar gut zu wissen, dass diese wahrscheinlich einen Zweck für mich oder mein System erfüllen. Aber natürlich greife ich dann zunächst zu schulmedizinischen Interventionen. Im letzten Jahr hatte ich z.B. eine recht schwere Lungenentzündung, und du kannst dir vielleicht vorstellen, wie froh ich darüber war, dass die Medizin so etwas wie Antibiotika hervorgebracht hat. Das hat mich aber nicht davon abgehalten, mich im Nachgang damit auseinanderzusetzen, welche Schlüsse ich für die Zukunft daraus ziehe.
Also, wenn es die mal wieder seelisch oder körperlich dahinrafft, erinnere dich doch einfach mal daran, dass dein Gesamtsystem versucht, irgendetwas bei dir wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Allein diese Überzeugung hilft oft schon einen gehörigen Schritt weiter.
Zum Schluss noch ein paar nette “Krankheitsdefinitionen”, die in der o.g. ICD-10 wirklich existieren, und die mir meine liebe Freundin Bianca, die in diesem Bereich arbeitet, herausgesucht hat:
R45.2 Unglücklichsein
R45.4 Reizbarkeit und Wut
R45.5 Feindseligkeit
R46.0 Stark vernachlässigte Körperpflege
R46.1 Besonders auffälliges äußeres Erscheinungsbild
R46.2 Seltsames und unerklärliches Verhalten
Nett, nicht wahr? Ich wünsche dir ein schönes Wochenende.
Ebenfalls interessant:
Weitere Artikel zu den Tags:
- Keine ähnlichen Beiträge




Am 20. November 2008 um 23:25 Uhr
Hallo Frank,
eine sehr gute Frage. Aber Du hast Recht, es gibt eine Krankheit, das ist eine alte und schlechte Erfindung, die lange Zeit viel Geld eingebracht hat.
Es gibt sie genausowenig wie es (physikalisch gesehen) Kälte gibt. Kälte ist eine falsch gedeutete Wahrnehmung, die letztendlich ein Messeregebnis der Menge an tatsächlich vorhandener Wärme ist. Es gibt also nur Wärme.
Analog übertragen und kurz: Krankheit (wir nennen es halt mal so) ist die Abwesenheit von Gesundheit.
Gesundheit ist ein harmonischer Einklang mit der Natur. Wenn jemand krank ist, dann ist er also nicht krank, sondern weniger gesund (in Harmonie). Diese Harmonie herzustellen ist recht einfach. Voraussetzung ist, dass obiges bewusst ist - dann können die natürlichen Heilungskräfte wirken. Ohne Pillen, ohne Arzt, ohne Angst.
Mehr dazu auf meiner Seite: http://blog.frankhsauer.de
Liebe Grüße
Frank H. Sauer
Am 31. Januar 2011 um 16:29 Uhr
Hallo Frank Fäder und Frank H. Sauer
BRAVO, zwei schöne Beiträge die auch in meine Ansicht passen.
Es gibt keine Krankheiten.
Das was die Mediziner als Krankheiten bezeichnen sind Symptome und Schreie der Seele.
Gäbe es Krankheiten müsste es Gesundheiten geben.
Gibt es aber nicht, es gibt nur eine Gesundheit die wir pflegen und erhalten müssen.
Krankheit bedeutet Mangel an Gesundheit, Mangel an Harmonie und Einklang.
Symptome, sind Problemlösungs- Versuche den inneren Konflikt zu lösen und darum kann ich nicht einfach das Symptom überdecken oder löschen. Rauchen ist z.b. ein Symptom. Wüsste der Raucher eine andere Lösung sein unbewusstes Problem zu lösen, würde er nicht rauchen. Das gleiche gilt für Alkoholiker und Süchtige. Alle suchen nach einer glücklichen Lösung im Einklang mit dem Ganzen zu kommen.
Wenn aber dem GANZEN was fehlt ist es nicht ganz HEIL. Einem Puzzle wo nur ein Stück fehlt ist nicht Ganz und wird Mangelwahre. Sobald es uns an Anerkennung und liebe Mangelt sinkt unser Selbstwert.
Zuwenig Selbstwert führt irgendwann zu den Glauben von Wertlos.
An jedem Königshof gab es den Hofnarren, jedes Dorf pflegt seinen Dorftrottel und jede Familie ihr schwarzes Schaf, Symptomträger oder Leidträger.
Somit lehre ich: Es gibt nur eine Krankheit und die heißt - ANGST.
Angst etwas nicht zu bekommen und wenn ich es habe die Angst es zu verlieren.
Solange wir im HABEN WOLLEN leben können wir nicht im SEIN leben.
Liebe Grüsse