Anerkennung und Wertschätzung

Anerkennung und Wertschätzung

Dienstag, den 8. Juli 2008 von Frank Fäder

Von meinem lieben Trainerkollegen Kurt Georg Scheible (http://www.erfolgscampus.de/) bekam ich letzte Woche eine dieser Serienmails weitergeleitet. Ihr wisst schon, die Dinger, die man normalerweise in den nächsten 3 Minuten 117 mal weiterleiten muss und dann auch garantiert im Lotto gewinnt. Da ich bei Kurt aber weiß, dass er sich sehr genau überlegt, was er in die Welt hinaus jagt, habe ich es mir aufmerksam durchgelesen. Und ich las etwas, was mich sehr berührte und was ich daher mit euch teilen möchte:

Eines Tages bat eine Lehrerin ihre Schüler, die Namen aller anderen Schülerin der Klasse auf ein Blatt Papier zu schreiben und ein wenig Platz neben den Namen zu lassen. Dann sagte sie zu den Schülern, sie sollten überlegen, was das Netteste ist, das sie über jeden ihrer Klassenkameraden sagen können und das sollten sie neben die Namen schreiben Es dauerte die ganze Stunde, bis jeder fertig war und bevor sie den Klassenraum verliessen, gaben sie Ihre Blätter der Lehrerin.

Am Wochenende schrieb die Lehrerin jeden Schülernamen auf ein Blatt Papier und daneben die Liste der netten Bemerkungen, die ihre Mitschüler über den Einzelnen aufgeschrieben hatten. Am Montag gab sie jedem Schüler seine oder ihre Liste. Schon nach kurzer Zeit lächelten alle. “Wirklich?”, hörte man flüstern. “Ich wusste gar nicht, dass ich irgendjemandem was bedeute!” und “Ich wusste nicht, dass mich andere so mögen”, waren die Kommentare. Niemand erwähnte danach die Listen wieder.

Die Lehrerin wusste nicht, ob die Schüler sie untereinander oder mit ihren Eltern diskutiert hatten, aber das machte nichts aus. Die Übung hatte ihren Zweck erfüllt. Die Schüler waren glücklich mit sich und mit den anderen.

Einige Jahre später war einer der Schüler gestorben und die Lehrerin ging zum Begräbnis dieses Schülers. Die Kirche war überfüllt mit vielen Freunden. Einer nach dem anderen, der den jungen Mann geliebt oder gekannt hatte, ging am Sarg vorbei und erwies ihm die letzte Ehre. Die Lehrerin ging als letzte und betete vor dem Sarg. Als sie dort stand, sagte einer der Anwesenden, die den Sarg trugen, zu ihr: ‘Waren Sie Marks Mathelehrerin?’ Sie nickte: ‘Ja’. Dann sagte er: “Mark hat sehr oft von Ihnen gesprochen.”

Nach dem Begräbnis waren die meisten von Marks früheren Schulfreunden versammelt. Marks Eltern waren auch da und sie warteten offenbar sehnsüchtig darauf, mit der Lehrerin zu sprechen. “Wir wollen Ihnen etwas zeigen”, sagte der Vater und zog eine Geldbörse aus seiner Tasche.

“Das wurde gefunden, als Mark verunglückt ist. Wir dachten, Sie würden es erkennen.”

Aus der Geldbörse zog er ein stark abgenutztes Blatt, das offensichtlich zusammengeklebt, viele Male gefaltet und auseinandergefaltet worden war. Die Lehrerin wusste ohne hinzusehen, dass dies eines der Blätter war, auf denen die netten Dinge standen, die seine Klassenkameraden über Mark geschrieben hatten.

“Wir möchten Ihnen so sehr dafür danken, dass Sie das gemacht haben”, sagte Marks Mutter. “Wie Sie sehen können, hat Mark das sehr geschätzt.” Alle früheren Schüler versammelten sich um die Lehrerin. Charlie lächelte ein bisschen und sagte: “Ich habe meine Liste auch noch. Sie ist in der obersten Schublade in meinem Schreibtisch.”

Die Frau von Heinz sagte: ‘”Heinz bat mich, die Liste in unser Hochzeitsalbum zu kleben.”

“Ich habe meine auch noch”, sagte Monika. “Sie ist in meinem Tagebuch.”

Dann griff Irene, eine andere Mitschülerin, in ihren Taschenkalender und zeigte ihre abgegriffene und ausgefranste Liste den anderen. “Ich trage sie immer bei mir”, sagte Irene und meinte Dann: “Ich glaube, wir haben alle die Listen aufbewahrt.”

Die Lehrerin war so gerührt, dass sie sich setzen musste und weinte.  Sie weinte um Mark und für alle seine Freunde, die ihn nie mehr sehen würden.

Im Zusammenleben mit unseren Mitmenschen vergessen wir oft, dass jedes Leben eines Tages endet und dass wir nicht wissen, wann dieser Tag sein wird. Deshalb sollte man den Menschen, die man liebt und um die man sich sorgt, sagen, dass sie etwas Besonderes und Wichtiges sind. Sag es ihnen, bevor es zu spät ist.

Ob diese Geschichte wahr ist? Keine Ahnung. Aber das ist auch gar nicht wichtig. Wichtig ist, sie könnte wahr sein.

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5 Reaktionen zu “Anerkennung und Wertschätzung”

  1. Andrea

    Lieber Frank,

    ausgerechnet gestern habe ich diese Email von meiner Mutter bekommen, der ich geschrieben hatte, dass ich zu meinen Großeltern väterlicherseits fahre (meine Eltern sind geschieden, und es gibt keinen gegenseitigen Kontakt mehr), weil es meinem Großvater derzeit sehr schlecht geht und ich nicht weiß, wie lange er noch leben wird:

    “Dass es dem Opa schlechter geht, ist mir neu. Aber woher sollte ich es auch wissen? Ich habe in letzter Zeit viel an ihn gedacht, denn immerhin war er ja über 20 Jahre mein Schwiegervater. Wann immer wir zu Besuch kamen und das Wetter wurde winterlich, sagte er: Oh, wie ist es kalt geworden, wie so traurig öd und leer. Raue Winde wehn von Norden und die Sonne scheint nicht mehr. Und genau dieses Lied habe ich in einem alten Liederheft auf einem Flohmarkt vor zwei Wochen gefunden. Natürlich habe ich es gekauft. Wenn noch Kontakte bestünden, hätte ich es ihm gebracht. Aber so geht das eben nicht. Ich will mich bei der psychischen Verfassung der beiden nicht melden.
    Nun leb wohl und sei lieb gegrüßt! Mama”

    Ich habe meiner Mutter gestern geantwortet, dass sie sich, wenn sie so empfindet, einfach hinsetzen und ein paar Zeilen für ihn in einen Brief schreiben soll. Keine großen Gedanken über ihr Verhältnis, sondern einfach nur, dass er für sie wichtig war.

    Ich habe das selbst so erlebt, als der Vater meiner Mutter, also mein anderer Großvater, gestorben ist, mit dem ich jahrelang keinen Kontakt hatte, weil ich zu der Zeit das schwarze Schaf in der Famile war. Ich bin heute noch glücklich darüber, dass ich kurz vor seinem Tod zu ihm gefahren bin, und ihm alles Mögliche erzählt habe, obwohl er nicht mehr wirklich bei Bewußtsein war. Ich bin weinend an seinem Bett im Krankenhaus gesessen - und er hat meine Hand ein paar Mal hintereinander ganz fest gedrückt, als wollte er mir sagen, dass schon alles ok ist.

    Dein Beitrag hat mich sehr berührt und ich habe ihn eben meiner Mutter weitergeleitet. Danke.

  2. Dori

    Lieber Frank,

    es ist zwar schon sehr lange her - beinahe 40 Jahre - da wurde in meiner damaligen Klasse von der Klassenlehrerin eben diese Umfrage durchgeführt. Zum damaligen Zeitpunt war ich 14 Jahre alt und fühlte mich zutiefst unglücklich und einsam, und ich hatte das Gefühl, unsichtbar zu sein.

    Außer den Nettigkeiten, die über mich “herausgekommen” sind war ich auch noch das beliebteste Mädchen der Klasse. Unglaublich für mich, da sich das nicht mit meinem eigenen Empfinden deckte.
    Von da an habe ich mich selbst mit anderen Augen gesehen.

    Viele liebe Grüße
    Dori

  3. Andrea

    Was mir noch einfällt, wie wertvoll solche LehrerInnen sind, die sich trotz des Lehrplanstresses Zeit nehmen, solche Listen schreiben zu lassen.

    Meine Schwester hat an ihrer Brennpunktschule mit den Kindern (1.-4. Klasse) eine “Umfrage” gemacht, wie gut oder schlecht sie die Einführung der Ganztagesschule finden würden (um besser auf die Kinder eingehen zu können bei der Einführung) - sie war erschüttert vom Feedback dieser Kinder, von denen nicht wenige geschrieben haben: “Ich wäre froh, wenn ich den ganzen Tag in die Schule gehen könnte, daheim bin eh ich nur alleine.” oder gar “…daheim werde ich sowieso nur geschlagen”.

    Vielleicht hat die Übung also auch den Zweck erfüllt, dass die Kinder wahrgenommen haben, dass “den ganzen Tag Schule haben” nicht nur blöd ist, sondern ihnen auch ein Zuhause und wenigstens etwas von der Liebe geben kann, die sie so dringend brauchen.

  4. Frank Fäder

    Liebe Andrea, liebe Dori,

    vielen lieben Dank für Eure Rückmeldungen, ich habe mich darüber sehr gefreut.
    Ich mache ähnliche Sachen ab und zu im Seminar, und habe sie auch schon aus Teilnehmerprspektive erlebt. Interessanterweise ist die Wirkung ähnlich tiefgehend, selbst wenn man sich gar nicht kennt.
    Es ist wohl nicht immer ganz leicht, aber manchmal doch so einfach.

    Liebe Grüße

    Frank

  5. Sabine Krömer

    Hallo Frank,

    auch ich bekam diese E-Mail von einer Freundin und hatte keine Probleme, sie an alle Bekannten weiterzuleiten. Gutes teilt man gern, nicht wahr?
    Was ich nun vollends verrückt finde, ist die Tatsache, dass nicht nur derjenige, der liest, was er diesem oder jenem Menschen bedeutet, sich gleich viel besser fühlt, sondern auch derjenige, der diese Botschaft verfaßt hat. Wenn ich mich auf das Gute und Freundliche in einem Menschen konzentriere, verändert sich meine Schwingung und Energie, ich erscheine selbst “besser” und “freundlicher”. Nach dem Gesetz der Resonanz ziehe ich das an, was ich aussende. Also braucht man nicht hilflos darauf warten, bis einem jemand etwas Gutes tut (wenn man es grad so bitter nötig hat und vielleicht nur traurig durch`s Leben geht), sondern man hat eine wunderbare Medizin immer bei sich: Sei nett und freundlich zu anderen Menschen, denke bei jedem Menschen -den du siehst- was du gerade an ihm so toll findest und wundere dich dann über die Welle an Sympathie, die über dich hereinschwappt.

    Liebe Grüße,
    Sabine

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