Wie machen wir es eigentlich, dass wir von Zeit zu Zeit Probleme erleben? Obwohl es manchmal „einfach so” geschieht, handelt es sich jedoch dabei um einen hochkomplexen Realitätskonstruktionsprozess:

Zunächst einmal benötige ich eine Ist-Situation; die, in der ich mich befinde. Dann muss es eine Soll-Situation geben, die ich für soviel mehr erstrebenswert halte, dass ich eine Notwendigkeit spüre, mich dort hin zu bewegen. Damit aber noch lange nicht genug, ich muss mich auch noch als machtlos erleben, meinen angestrebten Zustand zu erreichen. Sonst hätte ich kein Problem, sondern eine Aufgabe. In der Regel ist diese empfundene Machtlosigkeit die Schlussfolgerung mehrerer gescheiterter Lösungsversuche.

Daraus folgt bereits jetzt eine sehr bemerkenswerte Tatsache: Problemerleben resultiert nicht aus den Dingen an sich, sondern ausschließlich daraus, wie ich zu ihnen bewusst oder unbewusst in Beziehung trete. Die gute Nachricht daran: Die Art des „In Beziehung treten” kann ich ändern, wenngleich das nicht immer ganz trivial ist.

Eine große Anzahl von Problemsituationen lässt sich dergestalt beschreiben, dass zwei Bedürfnisse in einem scheinbaren Widerspruch zueinander stehen, ich also ein Dilemma erlebe. Die Tragik: Von diesem Dilemma ist mir meistens nur eine Seite, d.h. ein Bedürfnis wirklich bewusst. Das andere äußert sich dabei eher unwillkürlich. Was zum Beispiel treibt mich dazu, immer wieder zur Schokolade zu greifen obwohl ich es doch „eigentlich gar nicht will”?  Dieses „eigentlich nicht wollen” ist dabei lediglich ein Ausdruck meines willkürlichen, sozusagen bewussten Bedürfnisses. Das Unwillkürliche spricht jedoch eine ganz andere Sprache und sucht sein Bedürfnis in diesem Falle durch das Greifen zur Schokolade zu erfüllen. Wenngleich ich es bewusst nicht will, geschieht „es” doch scheinbar irgendwie aus mir heraus, ohne meinen willentlichen Einfluss, halt unwillkürlich.

Daraus resultiert eine weitere wichtigen Schlussfolgerung: Es ist nicht meine ganze Person, die mich zu diesem Verhalten führt, sondern lediglich eine Seite in mir. Diese Seite hat irgendein, meist zunächst un- oder zumindest vorbewusstes und immer sehr anerkennenswertes Bedürfnis, dass sie mit einer Strategie zu erfüllen sucht, die für eine andere, eher bewusste Seite in mir gewisse Folgekosten hat. Z.B. hat das permanente Essen von Schokolade Auswirkungen auf Figur und Gesundheit.

In der nächsten Woche schreibe ich darüber, wie wir die hinter unserem Tun stehenden  Bedürfnisse besser erkennen und damit in hilfreicherer Weise umgehen können.

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4 Reaktionen zu “Ach zwei Seelen wohnen in meiner Brust”

  1. Bedürfnisse und Strategien | Sonstiges

    [...] der letzten Woche habe ich in dem Beitrag Ach zwei Seelen wohnen in meiner Brust geschildert, wie wir uns Problemerleben konstruieren: Eine eher unwillkürliche Seite drängt auf [...]

  2. Ich würde ja, wenn ich könnte | Sonstiges

    [...] meiner kleinen Serie über die Auflösung von Problemerleben (siehe Ach zwei Seelen wohnen in meiner Brust und Bedürfnisse und Strategien) gehe ich heute auf den Umgang mit den Bedürfnissen ein, die sich [...]

  3. | NLP

    [...] ist die Fortsetzung des Beitrages Ich würde ja, wenn ich könnte, der wiederum auf den Beiträgen Ach zwei Seelen wohnen in meiner Brust und Bedürfnisse und Strategien [...]

  4. Abel

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