Denk dich reich!
Dienstag, den 22. April 2008 von Frank FäderAm letzten Wochenende war ich mal wieder unterwegs um in Magdeburg ein Seminar zu geben. Für 51 Euro pro Nacht hatte ich mich in einem 4-Sterne Hotel eingemietet, von dem ich - ganz ehrlich - bei diesem Preis nicht wirklich viel erwartete. Umso überraschter war ich, als ich ein wirklich schönes Hotel vorfand. Das Zimmer war ebenso geräumig wie gemütlich, der Wellnessbereich hervorragend und das Personal sehr freundlich. Zu allem Überfluss bekam ich auch noch einen Gutschein für einen Begrüßungssekt. Ich hatte das angenehme Gefühl, wirklich viel für mein Geld zu bekommen und freute mich sogar richtig, am Abreisetag meine Rechnung bezahlen zu dürfen. So angenehm ich dieses Gefühl auch erlebte, es brachte mich zum Nachdenken. Schließlich kann Rechnungen bezahlen doch nichts schönes sein, oder? Es dauerte nicht lang, und mir fiel etwas sehr interessantes auf: Beim bezahlen hatte ich das Gefühl, meiner Anerkennung und Dankbarkeit für eine gute Leistung Ausdruck zu verleihen. Ich hatte viel bekommen und konnte dafür etwas zurückgeben. Damit machte ich mir ganz unwillkürlich ein Gefühl von Fülle.
Wenn das aber so einfach funktioniert, stellt sich doch unmittelbar die Frage: Welches Gefühl entsteht denn ebenso unwillkürlich, wenn man in reflexartiger „Geiz ist Geil Manier” seine Aufmerksamkeit darauf lenkt, dass irgendwie alles immer viel zu teuer ist? „Zu teuer” ist ein unvollständiger Vergleich und wird in der Regel unbewusst ergänzt durch „…für das, was ich dafür erhalte.” Mit einer solchen Wirklichkeitskonstruktion hat man nicht mal die Chance, das Erworbene wertzuschätzen, widerspricht es doch der generalisierten „Zu teuer- Vorannahme”. Das wiederum zieht natürlich eine entsprechende Gefühlswelt, geprägt von Mangel und Opfererleben, nach sich.
Natürlich wäre jetzt es ein Trugschluss, zu behaupten, dass nur teuer gut ist. Einmal mehr ist die Balance entscheidend. Je mehr ich dabei meine Aufmerksamkeit auf die angebotene Leistung fokussiere, desto leichter kann ich erkennen, wie ich für mich daraus einen im Verhältnis zum Preis höheren Nutzen ziehen kann. Ich bekomme also immer mehr zurück, als ich gebe. Ist das nicht der Inbegriff von Reichtum und Fülle?
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