Annehmen und Loslassen
Freitag, den 18. April 2008 von Frank FäderEines der am meisten nicht hilfreich interpretierten Worte in unserem Fachgebiet ist wohl das Wort „Loslassen”. Am liebsten noch in der Version: „Du MUSST loslassen”. Welche Ironie.
Ich saß heute Morgen mit einem lieben Freund namens René beim Kaffee, und er erzählte mir von den zwei Seiten seiner Münze. Auf der einen Seite stehe das Wort „Annehmen”, auf der anderen das Wort „Loslassen”. Ich finde diese Metapher so schön, dass ich sie Euch nicht vorenthalten möchte.
Was ist damit gemeint: Vor kurzem arbeitete ich mit einer Klientin, die mit großen Zukunftsängsten zu mir kam. Zu allem Überfluss wertete sie sich dafür auch noch selbst ab. Sie wollte ihre Angst „loslassen”, ihr Auftrag an mich war also, diese „wegzumachen”. Dann könnte sie sich auch wieder mehr wertschätzen. So sehr ich diesen Wunsch verstehen konnte, fragte ich sie zunächst, wie viel Prozent Ihres Problemerlebens die Ablehnung ihre Angst ausmachte, im Verhältnis zu der realen Lebenssituation in der sie sich befand. Die Antwort lautete 80% zu 20%. Daraufhin bat ich sie, testweise zu probieren, diese Angst einfach mal anzunehmen als das was sie ist, nämlich als Ausdruck eines anerkennenswerten Bedürfnisses nach Sicherheit. Sofort entspannte sich ihr ganzer Körper und ihre Atmung wurde tiefer und ruhiger.
Was war passiert? Ihre Auffassung, dass Angst nicht sein darf, führte zu einer Selbstabwertung. Diese wiederum ließ sie ihre durchaus vorhandenen Gestaltungsfähigkeiten mehr und mehr vergessen. Das wirkte zurück auf ihre Angst, das wieder auf die Selbstabwertung usw.
Durch das Anerkennen dessen was ist, in diesem Fall „Angst”, kehrte unmittelbar eine massive Erleichterung ein, die sie wieder handlungsfähig machte. Ihr „Loslassen” bezog sich also nicht auf ihre Angst, sondern auf die Ablehnung derselben. Inzwischen ist Angst für sie zu einem wertvollen inneren Feedbackgeber geworden, der ihr ermöglicht, mit den Herausforderungen des Lebens wesentlich besser umzugehen. Wie wird sich eine solche Haltung wohl auf ihr Selbstwertgefühl auswirken?
Ich beobachte in München an der Isar manchmal Surfer. Es ist sehr beeindruckend, wie intuitiv sie auf die spontanen Änderungen der äußeren Gegebenheiten reagieren. Wie lange würden sie sich wohl auf der Welle halten, wenn sie ihre eigenen Vorstellungen davon hätten, wie das Wasser zu fließen hat? Und trotzdem, manchmal fallen sie rein, dabei immer etwas mehr über die Eigenheiten des Wasserflusses lernend.
Viel Spaß beim Surfen auf den Lebenswellen…
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Am 19. April 2008 um 06:25 Uhr
[...] Klüh Institut - Privates Institut für emotionale Entwicklung « Annehmen und Loslassen [...]
Am 20. April 2008 um 12:40 Uhr
Hallo zusammen,
das Thema „Annehmen und Loslassen“ beschäftigen mich auch immer mal wieder. Ich habe gelesen, dass man es tun sollte. Aber ich wollte ganz genau herausfinden, wie man das nun eigentlich macht, was man da tut.
Und dazu habe ich Folgendes erlebt:
Es war Ende 2006. Nun habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, am Ende des alten Jahres alle Dinge, die „noch offen“ sind zu beenden oder mir ein neues Ziel zu setzen oder zu entscheiden, dass ich die Sache ganz beende.
Neben verschiedenen Rechnungen, die ich noch zu bezahlen hatte gab es da bei mir etwas, das ich schon ewig aufgeschoben hatte.
Es ging darum, dass ich aus lauter Angst seit 15 Jahren nicht mehr beim Zahnarzt war. Wenn ich nur daran dachte, wurde es mir schon übel und ich zitterte usw. Ich sprach mit niemandem darüber, so groß war meine Angst. Das mag vielleicht nicht so schlimm klingen aber für mich war es einfach furchtbar. Ich machte es mir also zum Ziel, bis Februar 2007 zum Zahnarzt zu gehen.
Nun war der Februar des Jahres 2007 vorbei und ich war noch immer nicht beim Zahnarzt gewesen. Ich hatte Angst, furchtbare Angst, auch nur daran zu denken.
Als ich noch einmal darüber nachdachte, wurde mir klar, dass mir diese Angst, die da so an mir zerrte, meine ganze Energie oder zumindest einen großen Teil davon raubte.
Ja und jetzt komme ich aufs Loslassen und Akzeptieren zurück.
Einiges hatte ich darüber gelesen und auch E-Mail-workshops gemacht, die sie u.a. mit diesem Thema befassten. Ich setzte mich also hin und lenkte meine Aufmerksamkeit auf den Zahnarztbesuch. Ich begann schon zu zittern, hatte Herzklopfen usw. Das ließ ich alles zu, akzeptierte es, stellte mir die Sache vor soweit es ging. Ich fühlte die Angst. Und mit der Zeit wurde sie schwächer und war gar nicht mehr so bedrohlich. Meine Aufmerksamkeit war nicht mehr damit beschäftigt. Erst mal akzeptierte ich meine Gefühle und dann entschied ich mich, sie loszulassen, also meine Aufmerksamkeit davon abzuziehen.
Ich hielt meine Angst nicht mehr fest (Ob ich das nun vorher wollte oder nicht, ich hielt sie fest, sie haftete an mir, vielleicht als Schutz, nicht zum Zahnarzt gehen zu müssen)
Der nächste Schritt war dann, einen Termin zu machen und den auch wahrzunehmen. Das habe ich gemacht und wenn ich jetzt im Wartezimmer sitze, fühle ich mich fas wie zu Hause.
Schönen Sonntag noch und
viele Grüße
Andrea
Am 24. April 2008 um 07:57 Uhr
[...] meinem Beitrag Annehmen und Loslassen habe ich schon anklingen lassen, wie erleichternd es wirken kann, wenn das Problemerleben erst [...]
Am 21. September 2008 um 13:56 Uhr
Hallo zusammen,
also als begeisterte “Bärbel Mohr Leserin” (aber auch E. Kübler Ross…) weiß ich, dass annehmen und loslassen wichtige Schritte sind. Und in der Rückschau auf meine Leben sind meine Wünsche immer dann in Erfüllung gegangen, wenn mir genau dies gelungen ist. Ich kenne auch dieses dankbare, erleichternde Gefühl. wie es sich anfühlt, wenn ich etwas/einen Wunsch wirklich losgelassen habe. Das Problem bei mir ist nur, dass ich diesen Zustand nicht willentlich herbeiführen kann. Es haut einfach nicht hin. Die Erfahrung, die Andrea gemacht hat, die sagt mir auch etwas. Nur scheint irgendwas drittes,etwas, dass ich nicht in Worte fassen kann zu fehlen. Am ehesten kann ich es vielleicht mit “alles braucht seine Zeit” beschreiben. Ich habe seit sehr langer Zeit ein Problem, dass mal mehr mal weniger, mal überhaupt nicht Einfluss auf mein Lebensgefühl hat. Ich würde wirklich was darum geben, wenn dieses Problem gelöst wäre. Egal wie. In “dunklen Stunden” male ich mir sarkastisch aus, wie es sich anfühlt, wenn ich selbst am Ende meines Lebens keine Lösung habe erfahren dürfen. Fühlt sich echt mistig an. Und es nervt auch, das, je mehr Zeit vergeht das Problem immer ein bischen erweitert und vergrößert wird.
Hab natürlich keine Ahnung, ob meine Beitrag überhaupt noch gelesen wird. Aber es würde mich wirklich interressieren ob es das auch gibt. Gar keine Lösung für ein Problem.
liebe Güße
Monika
Am 30. Dezember 2009 um 10:56 Uhr
Hallo an alle,
ich finde interessant, dass Ihr Annehmen und Loslassen als zwei getrennte Gegebenheiten auffasst: Ich habe mittlerweile gelernt, dass ANNEHMEN Loslassen IST! In dem Moment, wo ich meine Angst annehme, als das, was sie ist, ohne sie zu werten und, wenn möglich, ins Herz schließe, habe ich die Angst losgelassen. Man kann nicht wirklich annehmen, mit der Absicht loszulassen und deshalb ist das Loslassen ja auch so schwer bis unmöglich! Weil … es geht ja gar nicht ums loslassen bzw. loswerden, sondern darum, anzunehmen, was da ist! Wenn ich etwas aus vollem Herzen annehme, gibt es keinen Kampf mehr gegen etwas, das weg soll!
Viele Grüße
Monika M