“Weg von” oder “Hin zu”?
Freitag, den 11. Juli 2008 von Frank FäderNeben dem sportlichen Geschehen stand die EM ja im Zeichen des Kampfes gegen Rassismus. Die Tickets wurden bedruckt mit “unite against racism”, es gab Werbespots, Artikel in den Stadion-Magazinen und Tafeln an den Spielfeldern gegen Rassismus. Als Höhepunkt der Kampagne lasen vor dem Halbfinale die Kapitäne der Mannschaften jeweils einen antirassistischen Text vor.
So löblich und unterstützenswert dieser Gedanke auch ist, stellte ich mir trotzdem mit Thomas und Sabine gemeinsam eine Frage: Warum sagt man denn eigentlich die ganze Zeit nur, was man nicht will? Warum immer nur “Weg von”? Wo bleibt denn das “Stattdessen”, das “Hin zu”? Warum kommt keiner auf die Idee, für mehr Gemeinsamkeit zu werben? Prüfe doch mal selbst: Welche Bilder, Gefühle und Gedanken kommen in dir hoch, wenn du hörst:
“Gegen Rassismus, gegen Fremdenfeindlichkeit, gegen Diskriminierung, gegen Gewalt.”
Und wenn Du dann im Vergleich dazu hörst:
“Für mehr Miteinander, für mehr Verständigung, für mehr Respekt voreinander und Freundschaft untereinader.”
Keine Ahnung, wie es dir geht, aber bei mir weckt das Zweite gänzlich andere und viel konstruktivere Gefühle.
Natürlich lässt sich das Ganze auch wieder neurobiologisch erklären: Auf der Ebene der inneren Vorstellungswelt sind wir nicht in der Lage, ein “Nicht” zu denken. Wenn wir uns also die Negation von etwas vorstellen wollen, müssen wir uns zunächst das Vorstellen, was wir eigentlich gar nicht haben wollen. Wollen wir also keine Gewalt, kommen uns gezwungenermaßen Assoziationen von Gewalt, die wiederum unsere Aufmerksamkeit auf eher nicht förderliches Erleben lenken. Fokussiere ich mich dagegen auf das, was ich stattdessen will, werden auch die damit zusammenhängenden Muster aktiviert.
Andere Beispiele gibt es zuhauf. Vielleicht erinnerst du dich ja noch an die “Keine Macht den Drogen” Kampagne. Der Drogenkonsum ist damals übrigens eher gestiegen. Ein Klassiker auch die Zigarettenschildchen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die posthypnotischen Suggestionen auf den Schachteln inzwischen mehr Schaden anrichten, als der blaue Dunst selbst.
Das ist einer der Gründe, warum wir im NLP Ziele immer positiv und selbst erfüllbar formulieren.
Wenn wir also bei uns selbst gerade mal wieder etwas ändern wollen: Hören wir auf, uns zu überlegen, was wir nicht mehr haben möchten, sondern fangen an uns intensiv damit zu beschäftigen, was wir stattdessen viel lieber gerne hätten.
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Am 14. Juli 2008 um 15:31 Uhr
“Gegen Rassismus, gegen Fremdenfeindlichkeit, gegen Diskriminierung, gegen Gewalt.”
Hallo Frank,
ja, komisch nicht wahr, warum derart negativ formulierte Schlagwörter überhaupt verwendet werden.
Es ist ja nicht nur so, dass man dann automatisch über Rassismus, Fremdenfeindlichkeit etc. nachdenkt (und damit seine Aufmerksamkeit eben auf negatives lenkt), sondern es ist darüberhinaus auch völlig un-aussagefähig. Oder heißt “gegen Gewalt” automatisch “für Frieden”? Nicht unbedingt, oder? Also sagt es praktisch nichts konkretes aus und ist damit nicht angreifbar, man kann ja alles mögliche damit gemeint haben. So gesehen, kann man nur hoffen, dass derjenige, der sich das ausgedacht hat, einfach nur gedankenlos war. Und er (oder sie) möge sich beim nächsten Mal überlegen, wenn er bei der einfachen Entscheidung, ob man abends z.B. zum Italiener essen gehen soll, einfach nur “gegen italinienisch heute abend” ist und damit riskiert, hungernd ins Bett zu gehen. Es sei denn, er ringt sich durch und sagt, “wofür” er denn stattdessen ist, arabisch? türkisch? indisch? chinesisch?…. Das geht nämlich aus einem einfachen “dagegen” gar nicht hervor!
Danke, dass du mich (und andere) dazu bewegst, auf unsere Worte und Gedanken zu achten.
Liebe Grüße,
Sabine
Am 26. August 2008 um 08:42 Uhr
[...] unsere Aufmerksamkeit darauf fokussieren, was wir nicht haben wollen (siehe Beitrag Weg-Von oder Hin-Zu) haben diese noch einen anderen wichtigen Nachteil, der die Kontrollmöglichkeit ihrer Erreichung [...]