Selbstliebe
Mittwoch, den 1. Oktober 2008 von Frank FäderWenn Thomas über Selbstablehnung schreibt, dann schreibe ich, so dachte ich mir, doch mal etwas über Selbstliebe, wohl wissend, was für ein heißes Eisen ich damit anpacke.
Wer kennt sie nicht, die viel zitierten Parolen “Du musst dich nur selbst lieben!” oder “Wie sollen dich andere lieben, wenn du dich selbst nicht liebst?” “Großartig”, dachte ich mir immer. “Aber wie mache ich das denn, mich selbst lieben? Vor allem, wenn ich das, was ich an mir lieben soll, so gar nicht leiden kann? Sei es nun die eigene Figur, inakzeptable Verhaltensweisen, oder Fehler, die ich mache oder gemacht habe?” Noch paradoxer wird es dann, wenn ich mich auch noch dafür lieben soll, dass ich mich gerade nicht lieben kann. Was um alles in der Welt geht hier vor?
Ich möchte dir heute in aller gebotenen Demut einen kleinen Denkanstoß geben, deine eigene Form von Selbstliebe zu entwickeln.
Wie Thomas schon schrieb, motivieren wir uns mit der Ablehnung unserer selbst häufig dazu, etwas anders zu machen. Beispiel: „Ich kann einfach nicht aufhören zu essen, ich bin einfach ein Schwächling”. Hier liegt schon ein erster Fehlschluss vor, denn anstatt lediglich des Fehlverhaltens (zu viel Essen), lehnen wir uns als gesamte Person ab (Schwächling). Das heißt, wir generalisieren einen objektiv kleinen Teil unseres täglichen Verhaltens auf unsere gesamte Identität und vergessen dabei all unsere sonstigen vorhandenen mannigfaltigen Stärken.
Ich habe in meinen Beiträgen schon viel über den Umgang mit den Teilen geschrieben, die ungewünschtes Verhalten produzieren. Heute möchte ich mich dem Teil in uns widmen, der mit uns in dieser oft so harten Art und Weise ins Gericht geht, denn nicht selten ist es er (oder sie), die vor allen anderen unserer Zuwendung bedarf.
Die intensiven Ablehnungsgefühle werden immer dann aktiv, wenn wir nicht dem entsprechen, wie wir meinen, sein zu müssen. Dieses innere Sollbild unserer selbst wird in der Regel in sehr frühen Lebensjahren gelernt. Auf seiner Basis entwickeln wir im Laufe unseres Lebens eine Unmenge an Vorstellungen über richtige und falsche Verhaltensweisen, Denkweisen, Fähigkeiten, Gefühle, Werte, Lebensweisen usw. Bemerken wir jetzt, dass wir, aus welchen Gründen auch immer, davon abweichen, tun wir seit frühester Kindheit immer wieder das Gleiche, um uns wieder auf den (vermeintlich) richtigen Weg zu bringen: Wir sind z.B. wütend auf uns, bestrafen uns, haben Angst oder eine Mischung aus alle dem. Diese Reaktionen sind im Gehirn extrem gut gebahnt und entziehen sich daher völlig unserer bewussten Kontrolle. Wenngleich ihre Auswirkungen auch Leid erzeugen, so ist ihre dahinter stehende Absicht doch eine zutiefst positive. Sie möchten uns dabei helfen, unsere Integrität zu bewahren und sind schon allein deshalb ein Akt purer Selbstliebe.
Achte in einer solchen Situation einmal darauf, wo im Körper du diese Gefühle wahrnimmst; sehr wahrscheinlich irgendwo im Bauch, im Solar Plexus oder in der Herzgegend. Und wenn du jetzt einmal deine Hand darauf legst, dabei einige Male ganz ruhig atmest und mit deiner Aufmerksamkeit genau an diese Stelle gehst, wirst du möglicherweise merken, dass dort eine verletzliche und wesentlich jüngere Version von dir versucht, auf sich aufmerksam zu machen. Diese Version wusste nicht, dass es dich mal geben würde. Aber du weißt, dass es sie gab, schließlich ist sie ja in dir noch vorhanden. Und genau, wie du es bei einem ängstlichen kleinen Kind machen würdest, kannst du als Erwachsene(r), die du die Welt auf eine ganz andere Art und Weise beurteilen kannst, jetzt diesem Anteil deiner selbst all den Trost, die Sicherheit und Liebe geben, die er oder sie so sehr benötigt. Achte einmal darauf, wie sich deine Gefühle dabei verändern. Vielleicht gewinnst du dabei sogar neue Einsichten über dich und deine Art in der Welt zu sein. Lass dich einfach überraschen.
Sollten sich die Ablehnungsgefühle dann in zukünftigen Situationen wieder melden (was sie 100%-ig tun werden), dann weißt du ja wer sich da meldet, und du kannst ihr/ ihm dann deine Tür einen Spalt offen lassen, damit sie oder er nicht so laut klopfen muss. Je öfter du das tust, desto mehr wirst du wieder du. Denn du, in deinem heutigen Alter, bist schließlich beides; dieser jüngere Anteil und die/ der Erwachsene; zur gleichen Zeit. Die Liebe, die du diesem jüngeren Teil entgegen bringst, ist dann also nichts anderes als Selbstliebe.
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Am 6. Oktober 2008 um 07:47 Uhr
[...] Franks Artikel über die Selbstliebe beschreibt er ja sehr anschaulich, wie man zu eben dieser Selbstliebe finden [...]