Beruf und Berufung
Dienstag, den 15. Juli 2008 von Frank FäderEs ist gar nicht so lange her, da habe ich mich recht intensiv mit dem Thema Beruf und Berufung befasst. Ich entschied mich damals, das Thema auf Eis zu legen, weil ich weder für mich, noch für meine Klienten etwas fand, was meiner Definition von Berufung wirklich entsprach. Ich suchte nach etwas ganz Besonderem. Nach etwas, was mich für den Rest meines Lebens erfüllen würde, am liebsten 24 Stunden am Tag. Natürlich sollte es mir leicht fallen, denn es musste ja auch meinen Talenten entsprechen.
Ich würde mich wundern, wenn ich mit diesen Vorstellungen allein auf der Welt wäre, deshalb möchte ich dir meine heutigen Gedanken dazu schildern:
1) Es handelt sich um ein unrealistisches Ziel. So verständlich das Bedürfnis nach Sicherheit für die Berufung auch ist, wie sollen wir sicher wissen, ob das in zehn Jahren, fünf Jahren, drei Monaten oder zwei Tagen immernoch so ist? Wer kennt schon die Zukunft?
2) Es handelt sich um ein nicht wünschenswertes Ziel. Denn wenn immer alles leicht geht, wo findet dann noch Entwicklung statt? Wachstum ist ein absolutes Kernbedürfnis des Menschen. Findet es nicht mehr statt, erscheint uns das Leben sinnlos. Es spiegelt eine Urerfahrung wieder, die wir schon im Leib unserer Mutter gemacht haben; sich täglich weiter zu entwickeln. Da Entwicklung und Wachstum definitionsgemäß die Erschließung unbekannten Terrains voraussetzen, liegt es in der Natur der Sache, dass sie mit dem Bewältigen von Herausforderungen einher geht.
3) Es gibt nichts, was irgendwo da draußen liegt und per se unsere Berufung ist. Die Vorstellung “Berufung” ist ein (zugegeben sehr schönes) Konstrukt des Menschen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das mag zuerst enttäuschend klingen, birgt aber ein riesiges Potenzial. Nämlich, dass wir selbst diejenigen sind, die unser Tun zur Berufung machen können; durch eine möglicherweise neue und hilfreichere Bewertung unseres Tuns.
Suchen wir also nicht, was wir tun können um Erfüllung zu finden, sondern finden wir stattdessen lieber Erfüllung in dem, was wir tun.
“Leichter gesagt als getan”, höre ich dich sagen. Und damit hast du vollkommen Recht. Deswegen möchte ich dir beim nächsten Mal einen sehr schönen Prozess aus dem NLP anbieten, mit dem du den ersten Schritt in diese Richtung machen kannst. Wir werden dabei dein Leben aus sechs Perspektiven betrachten und diese aneinander ausrichten. Du entwickelst so etwas wie ein “Wofür”, und möglicherweise erste Ideen davon, wie dieses “Sinngebende” dein Leben bereichern kann.
Ich möchte dich jedoch jetzt schon warnen, es könnte sein, dass du danach deinen Beruf mit anderen Augen siehst. Mir zumindest hat es vor gar nicht allzulanger Zeit in meinem Tun eine ganz neue Haltung verliehen.
Ebenfalls interessant:
Weitere Artikel zu den Tags: Beruf, Berufung, NLP, Ziel




Am 17. Juli 2008 um 13:54 Uhr
Oh ja, ich finde, dass ich momentan absolut meine “Berufung” auslebe, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ich das für den Rest meines Lebens machen werde. Sicher wird es immer in diese Richtung gehen, aber es wäre ja schlimm, wenn ich auf das, was ich momentan mache, festgelegt wäre.
Am 18. Juli 2008 um 06:38 Uhr
[...] meinem letzten Beitrag habe ich dir einen Prozess versprochen, anhand dessen du deine berufliche Situation auf sechs [...]