Ist Wut ein gutes oder schlechtes Gefühl?

Ist Wut ein gutes oder schlechtes Gefühl?

Donnerstag, den 6. November 2008 von Thomas Klüh

„Du musst Wut rauslassen”, „Wut ist ein befreiendes Gefühl”, Wut ist ein schlechtes Gefühl”, Wut ist destruktiv”, „Wut treibt mich an” - sind nur einige Aussagen, die ich über Wut kenne. Aber was stimmt denn nun?

Ich muss in meinem Sportlercoaching manchmal tatsächlich auf dieses Gefühl zurückgreifen, denn mit dem Gefühl: „Ich hab dich ja so lieb”, komme ich dort, wo ich einfach nur brutale Kraft benötige, nicht wirklich weiter (es ist nicht genau Wut, sondern ein ähnliches Gefühl). Deshalb gebe ich auch kein Glückstraining, sondern ein Emotionstraining - jede Emotion hat zur richtigen Zeit seine Daseinsberechtigung.

Man kann der Wut also durchaus ihre positiven Seiten abgewinnen, und sie anerkennen, als das, was sie ist: Ein Gefühl, das aufkommt, wenn wir uns in unserer Autonomie eingeschränkt, respektlos behandelt oder in anderer Art und Weise herabgesetzt fühlen. Sie kann ein enormer Motivator und Energiespender sein, und sie kann mich dabei unterstützen, von Dingen loszusagen, die nicht zu mir gehören. In der Regel wird sie nur die zweitbeste Lösung sein, aber sie ist immerhin eine Lösung und wie es Schwarzenegger in Terminator 4 so treffend sagte: „Wut ist besser als Hoffnungslosigkeit”.

Kürzlich habe ich mich mit einer Ärztin über Krebspatienten unterhalten. Sie meinte, dass diese oft ihre Wut unterdrücken und dies der Körper so zum Ausdruck bringt. Ich sehe das genau so. Eine unterdrückte Wut ist wie ein Schnellkochtopf, den man auf der Herdplatte vergessen hat. Ich empfehle tatsächlich, die vorhandene Wut raus zulassen, möglichst ohne Schaden damit anzurichten. ABER ich empfehle nicht, die Wut zu glorifizieren. Diese Krebspatienten werden momentan darin unterrichtet, ihre Wut raus zu lassen. Das halte ich für falsch. Denn um sie raus zulassen, muss man sie ja erst einmal produzieren. Außerdem sage ich, dass Krebspatienten lange nichts mehr zu Lachen hatten. Lachen produziert Fresszellen, die den Krebs bekämpfen. Ich finde, man sollte diesen Menschen lieber einen Grund zum Lachen geben, als sie künstlich wütend zu machen, damit sie dann trainieren können, diese Wut raus zulassen!

Ich empfinde, dass Wut zu mir gehört, aber ich sorge dafür, dass sie so selten wie möglich aufkommt.

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