Glückstechniken
Montag, den 22. September 2008 von Frank FäderWenn du heutzutage in einen Buchladen gehst, ins Internet schaust, oder deinen Mailaccount öffnest, kannst du dich vor gutgemeinten Glückstipps fast schon gar nicht mehr retten. In der Szene geistern auch immer wieder die verschiedensten Glückstechniken herum, die dir diesmal nun wirklich die ultimativen Glücksgefühle und natürlich ein damit gespicktes Leben verheißen. Wunderbar passt dazu auch die in der Esoterik übliche Überzeugung, man dürfe sein Glük nicht vom Außen abhängig machen und müsse ganz aus sich selbst heraus den ganzen Tag strahlen.
Die Idee, aus der all diese Dinge entstanden sind, ist auch eine sehr schöne. Die Konsequenzen aus der oben genannten Denkweise sind allerdings oft katastrophal und tragen zum Großteil dazu bei, das Leid erst zu erzeugen, was sie eigentlich beabsichtigten zu heilen.
Das Wichtigste: Unsere Gefühle dienen in erster Linie nicht dazu, dass es uns gut geht; das ist lediglich ein äußerst angenehmer Nebeneffekt. Vor allem geben sie uns ein Feedback darüber, ob wir gerade mit unserer Außenwelt in förderlicher Art und Weise interagieren oder nicht: Wie verbunden fühle ich mich mit meinen wichtigen Mitmenschen? Wie steht es um mein Selbstwertempfinden? Bin ich weiterhin in der Lage, meine Lebensumstände selbst zu beeinflussen oder entgleitet mir die Kontrolle? Wie kann ich dabei noch wachsen?
All diese Fragen tangieren menschliche Grundbedürfnisse und fokussieren auf uns, in permanenter Wechselwirkung mit der Außenwelt. Ein weiteres Grundbedürfnis ist, dass wir schlechte Gefühle vermeiden und Gute haben möchten. Wir haben die Tendenz, diesem Bedürfnis andere unterzuordnen, wirkt es doch wie eine Art Abkürzung. Das Gefährliche ist, dass es von Zeit zu Zeit sogar funktioniert. Mit Glückstechniken können wir uns manchmal aus schlechten Gefühlen heraus und in Gute hineinversetzen. Das ist auch gut so, denn nicht selten bedarf es zunächst dieser Musterunterbrechung, um wieder klar denken zu können. Aus dieser Tatsache jedoch zu folgern, dass Glückstechniken das Maß aller Dinge sind, ist ein gefährlicher Trugschluss. Je weniger wir dabei auf die anderen Bedürfnisse, und die daraus resultierenden Ziele achten, desto weniger werden wir uns in unserem Leben zurecht finden, und es kommt der Zeitpunkt, an dem auch die Glückstechniken nicht mehr helfen. Das ist in diesem Moment allerdings eher Segen als Fluch, erinnert uns eine innere Weisheit doch daran, dass Gefühle kein Selbstzweck sind, sondern dafür sorgen sollen, dass es uns in dem uns umgebenden Kontext möglichst gut geht. Und dazu gehört halt mehr, als ein paar Glückstechniken, seien sie nun geistiger oder - noch schlimer - stofflicher Natur.
Zahllose Studien in der Psychologie belegen, dass mit nahezu allen sogenannten psychischen Störungen ein Mangel an Annährungszielen einher geht. Arbeitet man mit diesen Menschen dergestalt, dass sie sich wieder realistische, motivierende und selbsterfüllbare Anährungsziele setzen, führt das nahezu immer zu signifikanten Befindlichkeitsverbesserungen. Und diese Annährungsziele sind es, die uns mit der Außenwelt verbinden.
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