Dieser Weg wird kein leichter sein
Dienstag, den 17. Juni 2008 von Thomas KlühIn dem Beitrag Fußball-EM und Motivation führe ich im Kommentar eine kleine Diskussion über das Lied: “Dieser Weg wird kein leichter sein“.
Also vorab, ich habe nichts gegen Xavier Naidoo, ganz im Gegenteil, ich hatte mich mal kurz mit ihm unterhalten und fand ihn äußerst nett! Außerdem finde ich auch, dass er mit seiner Musik berührt und dass er ein wirklich guter Musiker ist. Und es ist auch klar, dass es Klinsmann damit geschafft hat, ein Zusammengehörigkeitsgefühl in die Gruppe zu bringen.
Nichtsdestotrotz halte ich dieses Lied unmittelbar vor einem Wettkampf für eine sehr überdenkenswerte Variante.
Ich bin absolut der Meinung, dass man Leistung in seine Ziele investieren sollte. Ich bin auch der Meinung, dass man etwas für sein Glück tun muss. Auch bin ich der Meinung, dass nicht immer alles leicht geht und dass man dieser Tatsache, speziell wenn man Weltmeister werden möchte, durchaus ins Auge schauen sollte.
Aber alles im Leben hat Konsequenzen. In einer Studie mit Zwillingen musste sich die eine Gruppe an einem Tag einen Artikel mit unschönen Dingen, einen melancholischen Film und ein trauriges Lied reinziehen und die andere Gruppe durfte einen “schönen” Artikel, einen lustigen Film und ein “treibendes” Lied konsumieren. Abends wurde dann die Stimmung der beiden Gruppe überprüft. Während sich die erste Gruppe in einer tiefen depressiven Stimmung befand und sich langsam bewegte, war die zweite Gruppe fröhlich und ausgelassen und steckte voller Tatendrang.
Wenn diese Stimmungen nicht unterbrochen werden, ziehen sie sich weiter in die nächsten Tage. Ein Lied, ein Film und ein Artikel lösten diese Unterschiede aus!
Es liegt mir fern, zu beurteilen, welche Musik für dich die Richtige ist, aber du solltest bedenken, dass die Wahl der Musik, die du dir anhörst, unmittelbare Auswirkungen auf deinen emotionalen Zustand und auf deine Erfolg im Leben hat.
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Am 17. Juni 2008 um 09:26 Uhr
Und wie schöm ist es zu wissen, dass unsere WM Mannschaft von 2006 es trotzdem geschafft hat, aus diesem Song ein Motivationslied par Exellence zu machen. Natürlich bahnt Text und Musik von “Dieser Weg” normalerweise eher ein Erleben von Schwere und Mühsal. Halt außer, wenn es anders ist. Und das war hier der Fall. Wenngleich auch ich mir meine Musik der gewünschten Stimmung gemäß sehr bedacht aussuche, wird “Dieser Weg” für mich immer ein Motivationssong mit Gänsehautfaktor bleiben.
Am 17. Juni 2008 um 09:38 Uhr
Wenn man sich seine Musik der Stimmung gemäß sehr bedacht aussuchen sollte, wäre es dann also in der Theorie nicht am hilfreichsten, sich in traurigen Momenten gezielt “treibende”, extra lustige und fröhliche Musik anzuhören? Andererseits ist einem genau dann doch eher danach, seine Gefühle auszuleben und die traurigste Musik von allen zu hören. Ist das nun hilfreicher und damit auch das Annehmen (”Mir geht´s heute mal so richtig mies.”, und das ist auch mal ok so), oder die gezielte Gegenwehr durch Energy-Musik? Kommt die in einer depressiven Stimmung nicht genauso wenig an wie ein “Ach, los, Kopf hoch, das Leben ist doch so spaßig!”?
In jedem Fall ein sehr interessanter Gedankengang, und eigentlich doch das Knockout-Argument gegen alle Herzschmerz-Lieder, die sich auf dem Musikmarkt so grandios verkaufen!
Liebe Grüße, Andrea
Am 17. Juni 2008 um 10:46 Uhr
Hallo Andrea,
ich glaube, beide Möglichkeiten können “richtig” sein, hängt eben von der jeweiligen Situation ab. Manchmal kann es gut sein, ein fröhliches Lied zu hören, um sich aus der traurigen Stimmung heraus zu holen und manchmal ist es gut, die Traurigkeit auszuleben und dazu ein entsprechendes Lied zu hören.
Ich habe z.B. gerade eine Lieblings-CD von Ina Müller. Sie besingt eigentlich in fast allen Songs auf dieser CD ihre Erfahrungen mit Männern. Oft ist die Aussage des Textes eher negativ, aber… es ist so witzig/ironisch geschrieben, teilweise eine sehr mitreissende Musik dabei…dass ich diese CD trotz der “Negativität” als aufbauend empfinde. Ich muss einfach grinsen, wenn sie in dem einen Song z.B. nach der Situationsbeschreibung: ER fragt sie nach nettem Abend ob er sie nach Hause fahren soll. Sie sagt ja, dann spart sie die Bahn. Gehen zum Auto, sie fragt, ob er Frau und Kinder hat. ER: wie kommst du da denn drauf? und sie dann singt: “Es war der Maxicosi auf dem Beifahrersitz, die Pampersbox mit dem praktischen Schlitz, das Spucktuch, dass nach Milchsäure riecht und der Schnuller auf der Ablage” oder so ähnlich. Oder der Background-Chor, der nach dem Text: “ER macht das Radio an, es schreit uns Benjamin Blümchen an” im Hintergrund “Törööööh” singt. Es kommt einfach total komisch rüber (bei mir! Das kann bei jemand anderem ganz ander sein, denke ich.) Obwohl die Situation ja eher Scheisse ist: ER hat Absichten und will wahrscheinlich seine Frau mit ihr betrügen, gelt?
Bei z.B. so geballter Ladung an Negativität wie in der Studie, die Thomas beschrieben hat, kann ich mir allerdings gut vorstellen, dass die am Ende des Tages Sch…. drauf waren. Ist vielleicht auch die Dosierung, die zählt. Wenn mein Gehirn den ganzen Tag nur Negatives verarbeitet, sind alle entsprechenden Gehirnteile/Synapsen aktiviert und die anderen (positiven) kommen nicht mehr durch.
Ciaoi aus Den Haag
Bettina
Am 17. Juni 2008 um 11:34 Uhr
Hallo Bettina,
aus persönlichen Gründen werde ich mir dieses Lied mal besorgen, ich mußte schon bei Deiner Schilderung zu Maxicosi & Co. grinsen! Vielen Dank!
Zu der Studie - natürlich ist immer auch die Ausgangslage die Frage. Ist man grade eh schon am Boden, welche Musik wirkt dann wie auch immer oder ist hilfreich, oder sind alle neutral und werden dann rein durch Einflüsse wie Musik erst in bestimmte Stimmungen gebracht?
Bei mir ist es mit der traurigen Musik immer so ein bisschen wie bei dem Zitat aus Jenseits von Afrika (sorry, ausgerechnet): “Und wenn ich denke, dass ich es nicht mehr aushalten kann, dann treibe ich es noch ein Stück weiter (und spiele genau das Lied nochmal und nochmal), und dann weiß ich, dass ich alles schaffen kann…”, so oder so ähnlich.
Ich weiß allerdings selbst gerade nicht mehr genau den Zusammenhang mit unserer Nationalmannschaft - und wie sollen wir dort gerade die Ausgangslage beurteilen? : )
Am 18. Juni 2008 um 10:28 Uhr
Guten Morgen, speziell an Bettina (wo man sich so überall wiedertrifft :-))))))) )
Mein Eindruck ist, dass uns eher die Musik zur Auswahl / zum Immerwiederspielen verleitet … denn mir fällt oft bei englischsprachigen Liedern auf, dass der Text, den ich da manchmal fröhlich mitträller, eigentlich so gar kein Anlass zur Fröhlichkeit ist (mir fehlt jetzt grad das passende Beispiel, das liefer ich ggfs. nach
)
MEIN Mega-Gute-Laune-Hit gehörte auch zur WM 2006: Love generation http://de.youtube.com/watch?v=d4FM2_t3ALo
Fröhliche Grüße, Ulrike
Am 20. Juni 2008 um 07:30 Uhr
Bettina, du schreibst von einer geballten Ladung Negativität. Das ist so nicht richtig. Im Gegenteil, es waren nur sehr wenige negative - bzw. positive Eindrücke, denen diese Zwillinge ausgesetzt wurden.
Frank, natürlich sehe ich das genauso. Es hängt ja im Nachhinein davon ab, was man mit einem Lied verbindet. Wenn man ein trauriges Lied während einer Verliebtheitsphase gehört hat, wird dieses Lied schönere Gefühle machen, als ein fröhliches, das man sich in einer Trennungsphase rein gezogen hatte. Das hat ja mit dem Ankern zutun. Darüber könntest du doch mal etwas aus der NLP Sicht schreiben.